Verwendet markdown!

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Ich möchte den Artikel insbesondere Menschen in der sog. Wissensarbeit und allen Personen in Bildungsbereichen ans Herz legen. Ich habe wert darauf gelegt, dass der Artikel auch für Menschen mit keinen Vorkenntnissen verständlich ist und hoffe dieses Ziel erreicht zu haben. Denn in meinen Augen ist es wichtig markdown und das damit verbundene Potential zu verstehen und vor allem zu verbreiten.

Verstehen, was markdown ist

markdown ist ein Kompromiss zweier Welten

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie wenig bekannt markdown in meinem Umfeld ist. Gleichzeitig stelle ich fest, dass wirklich wenige Menschen souverän mit Textverarbeitungsprogrammen umgehen können und teilweise Formatierungsergebnisse in z.B. Microsoft Word absolut wild sind.

markdown ist eine Auszeichnungssprache (engl.: markup language), die von John Gruber und Aaron Swartz entwickelt wurde. Sie zielt darauf ab Texte in HTML zu schreiben, dabei aber eine einfacher zu lesende Form zu verwenden. Eine Auszeichnungssprache ist eine maschinenlesbare Sprache, also eine Form der Kommunikation, die ein Computer interpretieren kann. Eines der wichtigsten Merkmale ist, dass Bedeutung, bzw. Inhalt und die Form der Darstellung voneinander getrennt werden.

Trennung von Inhalt und Format

Schauen wir uns hierzu ein einfaches Beispiel in HTML an:

<b>Bildung</b>

ergibt ein fett/bold geschriebenes: Bildung

Der Inhalt ist “Bildung”. Dieser Inhalt wird in eine Befehlsklammer <b></b>geschrieben, die die Form auszeichnet. Wie diese Form optisch aussieht, wird woanders definiert (z.B. durch die Voreinstellungen in einem Browser oder durch eine zusätzliche Datei). Das ist mit der Trennung von Inhalt und Form in Auszeichnungssprachen gemeint: Der Text enthält einen Hinweis darauf, dass hier ein Style anzuwenden ist.

Auszeichnungssprache und menschliche Sprache verstehen

Es ist wichtig den Unterschied zwischen beiden Systemen (Mensch und Maschine) klar zu haben, um die Dimension von markdown zu verstehen. Daher schauen wir uns das nochmal anhand von zwei Beispielen genauer an.

Ich benutze Sprache, um anderen eine Botschaft zu senden. Manchmal nutze ich dazu mehrere Träger dieser Botschaft (die Sprache selbst und teilweise Mittelsleute, die meine Botschaft weitertragen). Folgendes Szenario: Ich möchte an einem Ort alle Menschen darauf hinweisen, dass sie eine bestimmte Internetadresse besuchen können. Ich benutze dafür eine Sprache und einen Träger der Botschaft. Zuerst ist mein Träger ein Mensch. Diesen bitte ich sich in die Fußgängerzone zu stellen.

Ich sage dem Menschen, der deutsch versteht:

Sage allen, die vorbeikommen, sie sollen diese Seite besuchen: https://bildungs-elemente.de.

Meine Botschaft dürfte für den Menschen damit gut verständlich sein. Und in der Folge ist jeder Person (die deutsch spricht) klar, was zu tun ist.

Als nächstes nutzen wir als Träger der Botschaft keinen Menschen, sondern einen Computer. Ein Computer kann meine obige Bitte nicht ohne weiteres interpretieren (wir klammern jetzt mal Programme aus, die darauf ausgelegt sind menschliche Sprache zu interpretieren), weil es nicht seine Sprache ist.
Ich erstelle stattdessen eine Datei mit meiner Botschaft in der Sprache HTML und speichere diese auf dem Computer. Ich möchte, dass er alle Menschen die ihn besuchen darauf hinweist, eine bestimmte Internetadresse zu besuchen:

Dem Computer, der HTML versteht, sage ich:

<a href="https://bildungs-elemente.de">Besuche diese Seite</a>

Der Computer kann diese Sprache interpretieren und zeigt seinen Besucher*innen:

Besuche diese Seite

Maschinenlesbare Sprache benötigt konkrete Anweisungen: Befehle, die eindeutig interpretierbar sind. Denn ein Computer liest nicht zwischen den Zeilen und fügt einer Information keine eigene Interpretation hinzu (außer wir sagen ihm das).

Verständigungsprobleme

Wir nutzen zwei verschiedene Arten von Sprachen. Während die menschliche Sprache für sich eine Bedeutung hat, muss diese Bedeutung in Auszeichnungssprache extra hinzugefügt werden. Auszeichnungssprache, die dazu genutzt wird anderen Menschen etwas mitzuteilen, benutzt demnach menschliche Sprache, fügt aber weitere Elemente hinzu die kennzeichnen, was damit genau zu tun ist.

Zwischen diesen beiden Sprachsystemen stehen nun zwei Probleme: Menschliche Sprache kann nicht oder nur über Umwege von Computern verstanden werden. Auszeichnungssprache ist dafür für Menschen schwer zu verstehen und vor allem unübersichtlich.

HTML vs. Deutsch

Für Personen, die sich einmal mit HTML beschäftigt haben, ist das bisherige intuitiv. Für alle anderen werfen wir nochmal einen Blick, wie das tatsächlich aussieht und wieso HTML, als Beispiel für eine maschinenlesbare Sprache, so umständlich zu lesen ist:

<b>HTML ist cool</b>
<p>Ein Leben ohne HTML ist möglich, aber sinnlos. So viele schöne Buchstaben:</p>
<ul>
  <li>ein H</li>
     <ul>
        <li>auch als "h"</li>
     </ul>
  <li>ein T</li>
  <li>ein M</li>
  <li>und ein L</li>
</ul><br>
<p>Die TOP 4 Buchstaben sind übrigens:</p>
<ol>
  <li>das H</li>
  <li>das T</li>
     <ul>
        <li>kommt auch in <a href="https://bildungs-elemente.de">https://bildungs-elemente.de</a> vor
     </ul>
  <li>das M</li>
  <li>das L</li>

Daraus ergibt sich in der Interpretation durch einen Computer:

HTML ist cool

Ein Leben ohne HTML ist möglich, aber sinnlos. So viele schöne Buchstaben:

  • ein H
    • auch als “h”
  • ein T
  • ein M
  • und ein L

Die TOP 4 Buchstaben sind übrigens:

  1. das H
  2. das T
  3. das M
  4. das L

Die Idee von markdown: Einen Kompromiss schaffen.

John Grubers Idee bei der Entwicklung von markdown war, eine Sprache zu schaffen, die sowohl von ihm gut gelesen werden kann, als auch Maschinenlesbarkeit bietet.

“Markdown soll so einfach wie möglich zu lesen und zu schreiben sein.”

John Gruber

Dazu muss man wissen, dass 2004, als markdown entwickelt wurde, im www noch mehr direkt mit HTML gearbeitet wurde und es weniger üblich war in grafischen Oberflächen zu arbeiten, als das z.B. heute beim bloggen mit WordPress der Fall ist. Das machte die Erstellung und Überarbeitung von Texten, die in HTML eingefasst wurden, aufwändig und fehleranfällig. Denn wird in HTML auch mal nur eine Klammer vergessen oder ein Befehl nicht oder fehlerhaft geschlossen, kann das das ganze Dokument zerstören und die Fehlersuche im Code macht nicht immer Spaß, kostet aber vor allem Zeit.

“Die Markdown-Syntax dient einem Zweck: als Format zum Schreiben für das Web.”

John Gruber

Dadurch, dass markdown eine für Menschen gute Lesbarkeit hat, ist das Erstellen und Bearbeiten von Texten einfach.
Dadurch, dass markdown für Maschinen lesbar ist, kann die Syntax in beliebige andere Formate übersetzt werden, z.B. in HTML, aber auch in LaTeX oder auch odt, docx und indesign. Insofern kann markdown als ein Ausgangsformat betrachtet werden, mit dem schon nur für sich, aber auch weitergearbeitet werden kann. markdown ist also sehr kompatibel und wandelbar.

Lernen, wie markdown funktioniert

Was Du brauchst

  • Ein Eingabegerät für Text (dein Rechner, dein Handy, dein Tablet, …)
  • Einen Text-Editor
  • Die markdown-Syntax

Es eignet sich jedes Gerät und jeder Text-Editor, das und der Text verarbeiten kann. Da wir in einer Auszeichnungssprache schreiben, benötigen wir keine grafischen Formatierungsoptionen oder Formatvorlagen. Es würde schlicht keinen Sinn ergeben z.B. in MS Word markdown zu verwenden. Neben den Standard-Text-Editoren der Betriebssysteme, gibt es eine Fülle an speziellen markdown-Programmen oder Webapps, die das Schreiben mit markdown vereinfachen:

  • Weil sie grafische Schaltflächen für z.B. kursiv hinzufügen (Was Du nicht wirklich brauchst, manchmal aber praktisch ist),
  • weil sie eine live-Vorschau bieten (Was gerade am Anfang und zur Kontrolle des Code sehr hilfreich ist) und
  • weil sie Formatbefehle grafisch abheben (Was die Übersichtlichkeit erhöht).

Letztere Funktion kommt aus der Nutzung von Code-Editoren, die z.B. zusammenhängende Abschnitte im HTML-Code grafisch markieren, um sich besser zurechtzufinden.

Für die markdown-Syntax gibt es zahlreiche Quellen, oben ist der Wikipedia-Artikel verlinkt. Diese Übersicht finde ich prägnant. Dort sind auch die verschiedenen Dialekte verzeichnet. Denn markdown hat sich, wie andere Sprachen auch, in mehreren Strängen weiterentwickelt. Die originale Syntax findest Du z.B. bei John Gruber.

Deine Kenntnisse der markdown-Syntax kannst Du in diesem kurzen Quiz überprüfen. Du kannst das Quiz auch zum Lernen von markdown verwenden:

markdown ist nur das Eingangsformat

markdown kann zwar schon gut für sich gelesen werden, ist aber lediglich ein Bearbeitungsformat. Für ein endgültiges Format ist es dann doch zu sperrig und die Formatzeichen sorgen nicht für einen flüssigen und angenehmen Lesefluss. markdown muss als Eingangsformat und Format zur dauerhaften Speicherung von Inhalten verstanden werden. Auf dieser Basis können die Texte in fast alle erdenklichen Formen gegossen werden. Editoren bieten hierfür häufig schon Exportfunktionen. Ein sehr einfacher und sauberer Weg ist die Verwendung von pandoc. Pandoc ist ein sog. Parser-Programm. Es zerlegt eine Eingabe und führt sie in ein neues gewünschtes Format über.

pandoc ausprobieren

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Klick auf https://pandoc.org/try/. Füge dort folgenden HTML-Code ein:

<h1 id="aller-anfang-ist-schwer">Aller Anfang ist schwer</h1>
<ul>
<li>Du solltest keine Angst vor neuen Dingen haben</li>
<li>denn sie sind auch nur eine weitere Erfahrung</li>
<li>stattdessen zähle bei ungewohnten Situationen einfach bis 10:</li>
</ul>
<ol type="1">
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eins">Eins</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei">Zwei</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Drei">Drei</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vier">Vier</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fünf">Fünf</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sechs">Sechs</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben">Sieben</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Acht">Acht</a></li>
<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neun">Neun</a></li>
<li>[Zehn] (https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn)</li>
</ol>
<ul>
<li>und die Welt sieht schon ganz anders aus.</li>
</ul>

Mithilfe dieser Demo kann der HTML-Code in sehr viele verschiedenen Formate konvertiert werden. pandoc versteht alle diese Sprachen, kann sie in die einzelnen Bestandteile zerlegen und in einer beliebigen anderen Sprache neu aufbauen. Das ist in vielen Situationen sehr hilfreich. pandoc tut das sehr zuverlässig und steht zudem quelloffen zur Verfügung. Was viele abschrecken kann: pandoc hat keine grafische Oberfläche, sondern wird über das Terminal bedient. Das ist aber nur auf den ersten Blick eine Hürde. Das Vorgehen ist auf der pandoc-Webseite sehr gut dokumentiert.

markdown als Chance für den Bildungsbereich

Schauen wir uns nun genauer an, was für einen Nutzen die Verwendung von markdown im Bildungsbereich haben kann. Zum einen in der Vorbereitung von Lehre und bei der Erstellung von Lernmaterialien und zum anderen für Lernende selbst.

Unterstützung von Offenheit

Weltweit sind Open Educational Ressources (OER) ein Thema mit zunehmender Zustimmung und Förderung. In Deutschland stecken OER noch in der Pubertät, es gibt aber mittlerweile viele Unterstützer*innen und Anhänger*innen. Die Suche nach OER ist zwar immer noch nicht so leicht, es existieren aber immer mehr Plattformen und Formen der dezentralen Organisation. Bei beiden Formen ist für das Auffinden und Indexieren Maschinenlesbarkeit ein entscheidendes Kriterium, denn was nicht gefunden wird, wird nicht verwendet. Der Aspekt der Maschinenlesbarkeit wird zudem weiter an Bedeutung gewinnen, wenn es darum geht aus einer Fülle an OER eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Alleine aufgrund der Fülle an Materialien werden Algorithmen bei der Indexierung, Verschlagwortung, Verknüpfung und Suche zum Einsatz kommen müssen. Bei den Materialien selbst können viele verschiedene Dateiformate zum Einsatz kommen. Im Sinne der Weiterverwendung und Veränderung macht es aber durchaus Sinn, wenn diese Formate möglichst leicht zu verändern sind. Hier gibt es noch keinen allgemeinen Konsens, wie Materialien zu gestalten sind und welche Formate “gut” und “schlecht” sind. Im Sinne von OER ist aber von den erstellenden Personen darauf zu achten, dass die Formate nach Möglichkeit offen sind. Hier bietet HTML ein großes Potential. Und für die Einfachheit und Zugänglichkeit könnte markdown der entscheidende Weg sein.

markdown bedeutet Souveränität

Exkurs zu Word und Co.

Die überwiegende Textproduktion findet heute in Textverarbeitungsprogrammen statt. Vermutlich dominiert Word von Microsoft alles, LibreOffice und OpenOffice werden auch noch ein Wörtchen mitreden, ebenso Google Docs. Die Beliebtheit des iPads im Bildungsbereich könnte auch dafür sorgen, dass Pages hier einen nicht zu vernachlässigenden Marktanteil hat. Während diese Programme ursprünglich zur Textproduktion entwickelt wurden, kamen immer mehr Funktionen hinzu. Z.B. das Einbinden von unterschiedlichen Medien, komplexe Tabellen, Makros, Seriendruckfunktionen (also der Zugriff auf eine Tabelle für das Erstellen von individuellen Dokumenten aus einer Vorlage) und eigene Bild- , Formen- und Zeichendatenbanken. Insbesondere bei Word geht der Trend zur cloudbasierten Textverarbeitung, wie Office365 zeigt und was durch Integrationen, insbesondere in Microsoft Teams, vorangetrieben wird. Ich beschränke meinen Vergleich im folgenden auf Microsoft Word, weil es das dominierende Programm ist. Der Vergleich ließe sich aber auf jede Software übertragen (auch wenn LibreOffice und OpenOffice z.B. auf offenen Code und Standards setzen).

Ich kann mit Word unheimlich viel erreichen: Ich kann einfache und komplexe Texte schreiben, ich kann Medien einbinden, Formatierungen vornehmen, in Tabellen arbeiten, Formatvorlagen definieren und nutzen, auf externe Daten zugreifen, etc. Egal, was ich in der Textproduktion vorhabe: Ich kann es zu 99% mit Word erreichen. Das Ganze ist sehr einfach und nutzer*innenfreundlich, weil ich für alles eine passende Schaltfläche habe und ggf. durch Assistenzsysteme unterstützt werde. Der Einstieg in Word ist dafür über die Jahre immer schwieriger geworden, eben weil es für alles eine Schaltfläche gibt und ich diese auch noch nach meinen Vorstellungen anpassen kann. Die cloudbasierte Version geht hier wieder einen eher minimalistischeren Weg, vielleicht vom Erfolg von Googles Docs inspiriert.
Das Grundproblem von Word ist, dass sich das Programm in eine grafische Oberfläche und ein nicht-offenen Prozessor teilt, der die Eingaben der Nutzenden interpretiert und ein fertiges Dokument live ausgibt. In anderen Worten: Ich sehe als Nutzer*in nicht alles von dem, was in meiner fertigen Datei steckt. Ich sehe nur die Ausgabe, die von Word interpretiert wird. Das klingt vielleicht noch nicht so dramatisch, weil “es ja funktioniert” und ich sehe ja meine getippten Worte und könnte auch in andere Formate, z.B. PDF exportieren, es ist in den möglichen Folgen aber sehr problematisch. Wer schon mal mit verschiedenen Versionen von Word gearbeitet hat und ein Dokument hin und hergeschickt hat oder wer mal ein docx-Dokument mit einem anderen Programm bearbeiten wollte weiß, dass ein vormals ansehnliches Dokument plötzlich aussehen kann wie Kraut und Rüben. Je mehr Formatierung zum Einsatz kommt, desto schlimmer wird das Problem und je mehr Formatierungen zur Erhöhung des inhaltlichen Verständnisses verwendet werden, desto dramatischer wird der Verlust von Funktionen.

Das Problem entsteht dadurch, dass im docx-Format Text und Format vermischt werden. Dadurch ist es möglich ohne das Verständnis von Hintergründen (Wie funktioniert die Datei? Wieso sieht das so aus, wie es aussieht?) anschauliche Dokumente zu erstellen. Diese Einfachheit wird durch Komplexität erkauft, die für die Standard-Anwender*innen nicht zu verstehen ist. Word-Autor*innen verlieren dadurch die Souveränität über ihre eigenen Produkte, weil sie nicht in der Lage sind die Produkte überall mit hinzunehmen und weil sie auch nicht ohne Hürden zur weiteren Verarbeitung an andere weitergegeben werden können. Die Export-Funktionen von Word lösen das Problem nur bedingt, bzw. transportieren das Problem in ein anderes Format: PDF-Dateien können zwar von allen gut gelesen, aber nicht mehr sinnvoll bearbeitet werden. Die Kompatibilität in der Bearbeitung verschlimmert sich hingegen eher noch. Die von Word produzierten HTML-Dateien können noch in der Anzeige überzeugen, der Quelltext ist aber so komplex, dass es als Format zur Weitergabe ausscheidet.

Abhängigkeit schränkt Souveränität ein

Textverarbeitungsprogramme unterstützen uns bei der Produktion von Dokumenten, sie machen uns aber in gewisser Hinsicht auch abhängig. Das Problem der Datenweitergabe ist dafür ein realistisches Szenario. Ein extremes (wenn auch nicht ganz realistisches) Szenario wäre, wenn Unternehmen den Support von Programmen einschränken oder die Nutzung an neue Bedingungen knüpfen, die z.B. die Rechte der Nutzer*innen einschränken und/oder eine Monopolstellung ausnutzen. Nun ist es so, dass ich in Word im Zweifelsfall immer noch meine Texte herausbekomme und als reinen Text abspeichern kann. Aber Formatierungen und das Einbinden von Medien und externen Inhalten gewinnen an Bedeutung und gehen bei diesem Export verloren. Damit geht auch Bedeutung und ein eigenes Produkt verloren, über das ich demzufolge meine eigene Souveränität einschränke.

Wie löst markdown dieses Problem?

markdown ist vor diesem Hintergrund eine naheliegende Lösung. Der Text und die Formatierung wird direkt im Text gespeichert, der Inhalt und dessen Bedeutung ist unabhängig von Systemen, Unternehmen und Programmen speicherbar, kopierbar und erlaubt eine fast hürdenlose Weitergabe. Damit bezahle ich mit Funktionen, grundlegende Formatoptionen bleiben mir aber erhalten und durch die Nähe zu HTML lassen sich auch externe Inhalte problemlos im Text einbetten. Mein Text lässt sich dann von allen gut betrachten und weiterverwenden. Ich kann ihm auch eine ansprechendere Optik geben, wenn ich ihn in ein anderes Format umwandle und dort Standards für die einzelnen Formatierungen definiere.

Auf Inhalte fokussieren

Der Fokus auf den Inhalt ist für sich ein starkes Argument für die Verwendung von markdown. markdown kann nur Text und Einbettungen und ich habe eine beschränkte Anzahl an Formatierungsmöglichkeiten. Das kann bei der kreativen Schreibarbeit und bei der sinnvollen Strukturierung von Inhalten einen echten Mehrwert bringen, wenn Gedanken um Schriftgröße, Layout und Textumlauf bei Bildern zunächst keine Rolle spielen. Häufig ist es doch so, dass diese Optionen den Fokus auf die Inhalte beeinträchtigen und es hilft eine “störungsfreie” Schreibumgebung zu haben.
Das kann jede*r selbst beim Ausprobieren und Schreiben eines längeren Textes ausprobieren und erfahren. Ich kann mir darüber hinaus auch vorstellen, dass es angehende Texteschreiber*innen, also Schüler*innen sehr dabei unterstützen kann die Inhalte im Schöpfungsprozess in den Mittelpunkt zu stellen.

Konvertierbarkeit

Texte, die in markdown geschrieben sind, lassen sich in viele verschiedene Formate übertragen. Im Prinzip funktioniert das wie ein komplexes Suchen und Ersetzen. Die Übersetzung von markdown in HTML haben wir bereits angeschaut. Die Übersetzung in HTML entspricht dem ursprünglichen Ziel von markdown: Eine Auszeichnungssprache zu schaffen, die es ermöglicht einfach Texte für das Internet zu verfassen. Mit dem Export in HTML steht auch schon ein mächtiges Instrument zur Verfügung, denn HTML ist ein sehr vielfältiges Format und bietet wiederum viele Möglichkeiten der Darstellung, Erweiterung und Weiterverarbeitung. Entscheidend für die Macht von HTML ist: Beinahe jedes Gerät kann es darstellen und bearbeiten. Das ist bei Textformaten, wie odt oder docx mitnichten der Fall. markdown lässt sich aber genauso gut in eine docx-Datei konvertieren, wenn das für z.B. einen Publikationsprozess notwendig ist.

Einfachheit und Gleichheit

Das Einfachheit ein Vorteil von markdown ist, habe ich jetzt mehrfach erklärt:

  • Es ist leicht zu verstehen
  • Es ist leicht zu verwenden
  • Es braucht keine spezifischen Geräte oder Programme
  • Es ist kompatibel zu anderen Formaten

Diese Einfachheit führt zu einem entscheidenden Argument für die Verwendung von markdown in Bildungskontexten: markdown kann ein Faktor zur Herstellung von Gleichheit und Bildungsgerechtigkeit sein. Ein einfacher Text-Editor genügt, hilfreiche markdown-Editoren stehen quelloffen und kostenfrei zur Verfügung und alle Geräte können verwendet werden. Sogar eine handschriftliche Verwendung von markdown wäre kein Problem. Sinn macht das nicht, es verdeutlicht aber nochmal die Einfachheit.

Trennung von Inhalt und Form

Dass Lernende digitale Lernprodukte erstellen ist sicher noch kein Standard, aber die Entwicklung geht in diese Richtung. Dabei spielen zwar verschiedene Medien eine Rolle, Text wird aber immer die entscheidende und auch eine zwischen verschiedenen Medienformen vermittelnde Rolle einnehmen. Die Arbeit mit markdown zwingt die Lernenden dazu ihre Produkte in reinen Text anzufertigen, fördert ein Code-Verständnis und ist mit minimalem Aufwand u zusetzen.

Anwendungsbeispiel Schule

Ich möchte die Verwendung von markdown am Schulbeispiel verdeutlichen. Es lässt sich aber 1:1 auf andere Bildungsbereiche übertragen, auch auf die Zusammenarbeit zwischen mehreren Systemen (z.B. Schule und Jugendverbandsarbeit).

Lernskripte in markdown

Wenn Lehrer*innen Lernskripte, also Unterrichtsvorbereitungen oder Kurskonzepte in markdown verfassen, sind diese über alle Grenzen hinweg teilbar. Die Inhalte werden in einer Datei zusammengestellt, innerhalb dieser Datei kann auf weitere Dateien verwiesen werden (z.B. Bilder, Videos, Audios, Aufgaben, Materialien, Artikel, etc.). So entsteht ein Verzeichnis, dessen Dateien direkt in markdown verfasst werden oder auch verschiedene Formate zusammenführen. Dieses Lernskript kann von der Lehrkraft nun überall verarbeitet werden und auch geteilt werden. Wenn eine Veröffentlichung geplant ist, kann dies ohne Umstände im Schul-CD passieren, indem markdown als Ausgangssprache genutzt wird und mit einer entsprechenden Formatdatei (z.B. CSS) Styles hinzugefügt werden. So ist eine Veröffentlichung in markdown, aber auch HTML oder PDF über z.B. LaTeX kein Problem.

Lernprodukte in markdown

Angenommen eine Schule führt in einem Kurs markdown ein und bittet die Schüler*innen Lernprodukte nur noch in markdown zu erstellen – was hat das für Folgen?

Auseinandersetzung mit Auszeichnungssprache: Die Schüler*innen setzen sich mit Auszeichnungssprache auseinander und können erfahren, wie Textverarbeitung funktioniert. Sie lernen zwischen Inhalt und Format zu differenzieren.

Style kann thematisiert werden: Es kann ein Schul-Style geben, in das alle Textprodukte exportiert werden. Dieser Style könnte durch die Schüler*innen angepasst werden, was einen inhaltlichen Zugang zum Programmieren bedeutet.

Der Inhalt zählt: Mit der Verwendung eines Schul-Styles würden alle Lern- und Prüfungsprodukte gleich aussehen. Alle Formatanpassungen durch die Lernenden hätten einen inhaltlichen Bezug (z.B. Wo bringe ich das Bild unter? Wie muss mein Text strukturiert sein? Wie kann ich sinnvoll markieren?). Lernprodukte sind dann unabhängiger von der technischen Ausstattung, den technischen Möglichkeiten oder Erfahrungen aus anderen Kontexten.

Inhalt und Style können unabhängig voneinander bewertet werden: Die Differenzierung zwischen beiden Ebenen öffnet neue Wege des Feedbacks oder der Förderung von Stärken.

Schulausstattung wäre besser planbar: Textverarbeitung wird häufig mit Lizenzen gekauft und muss dann entweder selbst gewartet werden oder es erfolgt ein entsprechender Auftrag an Dritte. Mit der Maßgabe zur primären Nutzung von markdown, HTML und PDF wäre das Feld der schulischen Ressourcen überschaubarer. BYOD hätte unter Schüler*innen eine größere Chance, weil keine spezielle Software erforderlich ist und Leihgeräte zur Textverarbeitung benötigten keine extra Lizenzen für Textverarbeitungsprogramme.

Du bist dran

Dieser Artikel enthält sich viele Aspekte und soll an möglichst vielen Stellen zur weiteren Recherche anregen. Es geht mir nicht darum markdown “an sich” zu erklären, ich möchte für mögliche positive Folgen für Lernprozesse und das Bildungssystem sensibilisieren. Denn es wird Zeit, dass auch Textverarbeitung und Textproduktion an die Ansprüche von Digitalität, OER und einer offenen Gesellschaft einer digitalisierten Welt angepasst werden. Oder?

Lizenz für den Text

CC BY 4.0
Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: Verwendet markdown! von Tobias Weiske, Lizenz: CC BY 4.0.
Tobias Weiske

Von Tobias Weiske

Erziehungswissenschaftler B.A. und tätig als Bildungsreferent. Begeistert sich für die Themen: Digitalisierung, e-learning, Selbstmanagement, Politik und Wirtschaft.